Steinheim (TKu). Die Rauchsäule des Großbrandes der alten Papiermühle von Steinheim war in einem Umkreis von mehr als 20 Kilometern Luftlinie zu sehen: Gegen 20:20 Uhr wurde Großalarm für die Feuerwehren in den Kreisen Höxter und Lippe gegeben. Zu diesem Zeitpunkt brannte es bereits ausgedehnt in der alten Papiermühle gegenüber der Kläranlage direkt an der Emmer gelegen. Immer wieder waren kleinere Explosionen zu hören, die durch die brennenden Stoffe ausgelöst wurden. Über die Handy-Warn-App des Bundes wurden die Menschen in der Umgebung mit einer Warnmeldung über eine „Starke Rauchentwicklung durch den Großbrand einer Kunststofffabrik“ informiert. Weil aktuell in dem Gebäude ausrangierte Kunststoff-Fenster lagern, die in Vollbrand standen und Giftstoffe ausgetreten sind, darunter soll auch Asbest sein, wurden die Menschen gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Lüftungen auszuschalten. Die Feuerwehrleute nutzen in der Nähe des Brandortes zum Eigenschutz FFP-2-Masken oder den sogenannten „umluftunabhängigen Atemschutz“, um sich vor Giftpartikeln in der Umgebungsluft zu schützen. Im Einsatz befand sich auch der ABC-Zug des Kreises Höxter für Gefahrstoffe, um Luftmessungen durchzuführen sowie das Landesumweltamt. Auch wurde geprüft, ob Schadstoffe in den Emmer-Fluss gelangt sind. Ein Ergebnis lag zum Redaktionsschluss jedoch noch nicht vor.

Mehr als 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Großbrand im abgelegenen Papiermühlenweg in den Griff zu bekommen. Die Einsatzstelle befand sich auf der anderen Seite der Ostwestfalen-Straße in Steinheim und war nur schwer zugänglich. Sie wurde weiträumig abgesperrt. Zunächst brannte nur ein Gebäudekomplex, eine etwa 30 Meter lange Halle. Das Feuer drohte jedoch auf den zweiten Komplex überzugreifen. Die Feuerwehr versuchte, durch eine Riegelstellung einen Flammenübergriff zu verhindern. Dies gelang jedoch nicht. Nach mehr als einer Stunde nach Meldung des Brandes griff das Feuer auch auf den zweiten Komplex der Papiermühle über. Der angrenzende Wald konnte aber vor einem Flammenübergriff bewahrt werden. Das Löschwasser entnahm die Feuerwehr aus dem nahegelegenen Emmer-Fluss mit Hilfe mehrerer Tragkraftspritzen (Feuerwehrpumpen). Dazu mussten hunderte Meter Schlauch in mehreren Leitungen verlegt werden. Eine der eingesetzten Feuerwehrpumpen an der Emmer in Höhe der Unterführung der Ostwestfalen-Straße geriet während der Löscharbeiten selbst in Brand, so dass sie von den Feuerwehrleuten mit Hilfe eines Pulverlöschers gelöscht und schließlich als Wasserentnahmestellen-Pumpe ersetzt werden musste.

Der Gebäudekomplex soll schon vor dem Brand marode gewesen sein und Asbest enthalten. Die alte Papiermühle diente unter anderem als Lagerstätte für alte Kunststoff-Fenster, die dort zum Recyceln lagern. Genutzt wird der Gebäudekomplex von einem Familienunternehmen, das sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Kunststofferzeugnissen aller Art spezialisiert hat. Die Löscharbeiten werden auch am Freitagmorgen noch nicht beendet sein. Im Einsatz befanden sich neben dem ABC-Zug aus dem Kreis Höxter auch der Einsatzleitwagen 2 aus Höxter, die Wehren aus Steinheim, Schieder-Schwalenberg, Blomberg, Marienmünster und Nieheim, die Hilfsorganisationen wie das DRK und das THW, die Polizei sowie der Rettungsdienst des Kreises Höxter. Warum der Brand ausgebrochen ist, das könne bislang noch nicht gesagt werden. Die Kriminalpolizei wird die Ermittlungen jedoch am nächsten Tag aufnehmen, sobald dies möglich ist.

Fotos/Video: Thomas Kube